Vor zwanzig Jahren führten die Strategieprofessoren Renée Mauborgne und W. Chan Kim ein revolutionäres Konzept in die Managementwelt ein. Unternehmen, so sagten sie, könnten Wachstum freisetzen, indem sie „blaue Ozeane“ (Märkte, die nicht existierten) schaffen, anstatt in „roten Ozeanen“ (etablierte, überfüllte Märkte) zu konkurrieren.
Die Wissenschaftler erklärten in der Harvard Business Review: „Wenn der Raum [in den roten Ozeanen] immer enger wird, verringern sich die Aussichten auf Gewinne und Wachstum. Produkte werden zu Waren, und der zunehmende Wettbewerb macht das Wasser blutig ... In blauen Ozeanen wird die Nachfrage geschaffen und nicht umkämpft. Es gibt reichlich Gelegenheit für profitables und schnelles Wachstum.“
Dieser Ansatz, der als Blue Ocean Strategy™ bezeichnet wird, ist auch heute noch von Bedeutung. Unsere Vistage Gruppe ist daher der Überzeugung, dass eine Blue Ocean Strategy genau das ist, was CEOs im Jahr 2024 brauchen, um wachstumsorientierte, strategische Pläne zu entwickeln.
In Zusammenarbeit mit unserer Vistage Research Abteilung haben wir vier Regeln für CEOs entwickelt, um diesen Ansatz für ihr Unternehmen entsprechend nutzen zu können.
Um neue Märkte zu finden, müssen CEOs wie Anthropologen handeln - sie müssen Kunden und Nicht-Kunden in ihrem authentischen Umfeld beobachten, studieren und mit ihnen sprechen. Es ist dabei wichtig, dass CEOs diese Arbeit selbst durchführen, anstatt sie an ein internes Team zu delegieren oder gar an Dritte auszulagern.
Ziel dieser Übung ist es, unerfüllte Bedürfnisse zu ermitteln und Nichtkunden zu finden, die in naher Zukunft zu Kunden werden könnten. Unsere Empfehlung: Suchen Sie nach Nicht-Nutzern, die Sie zu Fans Ihres Unternehmens machen können, indem Sie deren Probleme auf sehr innovative Weise lösen.
Denn wenn alle dasselbe tun, auf dieselbe Weise ... wird Ihre Idee zwar höchstwahrscheinlich einen Mehrwert schaffen aber dabei auch immer Kosten verursachen und dadurch das Produkt verteuern. Und Sie werden mit anderen in Ihrem Markt konkurrieren, die genauso sind wie Sie. Der Markt wird sich nicht stetig vergrößern und Sie sind daher mit einem sehr schwierigen Umfeld konfrontiert, in dem Sie wachsen können.
Wenn Sie einen ungedeckten Bedarf festgestellt haben, denken Sie vielleicht: „Das Problem kann ich nicht lösen“. Ersetzen Sie diese Aussage durch die Frage: „Wie kann ich dieses Problem lösen?“
Gehen Sie nicht davon aus, dass Sie eine Lösung allein entwickeln oder liefern müssen. Vielmehr benötigen Sie Partner, die mit Ihnen zusammenarbeiten können, um für neue Kunden einen Mehrwert zu schaffen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Zusammenarbeit zu strukturieren. Sie könnten bspw. eine Lösung entwickeln und dann einen Partner finden, der sie umsetzt. Oder Sie könnten Kunden mit einer bestehenden Lösung verbinden und am Mehrwert und Nutzen monetär partizipieren. Oder Sie könnten ein Expertenteam einstellen, das Ihnen bei der Entwicklung einer Lösung hilft. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.
Eine Idee zu haben, ist nur der erste Schritt bei der Entwicklung Ihrer Blue Ocean Strategy. Um diese Idee in einen Markt zu verwandeln, müssen Sie Nachfrage generieren. Dies geschieht in der Regel durch Branding und Marketing.
Stellen Sie sich folgende, durchaus alltägliche Situation vor: Der Sohn des Gründers übernimmt das Unternehmen und stellt fest, dass zu viele Produkte im Sortiment sind. Das Problem ist dabei aber nicht, dass der Vater etwas hergestellt hat, das die Leute nicht nachgefragt hätten. Es geht darum, dass er die Nachfrage nicht in Märkte verwandelt hat. Er dachte nur an die Menschen, von denen er wusste, dass sie ein Problem zu lösen hatten und half ihnen. Aber er dachte nicht, dass andere Menschen evtl. das gleiche Problem hatten. Marketing war nie Teil seiner Strategie.
Es geht vielen deutschen Tüftlern so, dass sie ihre Idee nicht vermarkten, dadurch in der Rolle des Innovators stecken bleiben und somit nie die monetären Früchte ihrer Innovation ernten werden. Innovatoren können erfolgreich sein, aber nur wenn Sie die Klaviatur des Marketings verstehen. Amerikanische Firmen können hierfür ein gutes Vorbild sein.
Erwägen Sie eine Übernahme als Teil Ihrer Blue Ocean Strategy? Seien Sie vorsichtig, was Sie kaufen.
Untersuchungen haben ergeben, dass es in der Regel ein Fehler ist, einen Konkurrenten zu übernehmen, nur um sich dessen Kunden zu schnappen. Nach was Sie im Falle einer Übernahme Ausschau halten sollten, ist ein Unternehmen, das am Anfang einer Innovation steht, die Ihnen helfen wird zu wachsen.
Übersetzt bedeutet das: Suchen Sie nach Innovationen, die Ihr neues Produkt bzw. Ihre neue Dienstleistung schneller, einfacher und billiger machen - und die im Idealfall jüngere Kunden ansprechen. Hüten Sie sich vor Innovationen, die die Komplexität Ihres Produkts oder Ihrer Dienstleistung erhöhen, anstatt sie zu verringern.
Letztendlich geht es bei der Entwicklung einer „Blue Ocean Strategy“ darum, eher wie ein rauflustiger Unternehmer zu denken als wie ein erfahrener CEO. Seien Sie offen für neue Möglichkeiten, denn das ist es, was Ihren Konkurrenten irrelevant machen wird.
Zu welcher Kategorie gehören Sie: Raufbold oder Optimierer?
Erstellt am 07. Juni 2024