Eines der tiefsten emotionalen Grundbedürfnisse des Menschen ist das Verlangen nach Akzeptanz und Zugehörigkeit. Doch während die meisten danach streben, von anderen gemocht zu werden, verstehen erfolgreiche und authentische Führungskräfte, dass dies nicht der Weg zum Erfolg ist.
Das Verlangen nach Anerkennung ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Wir alle wollen gemocht werden – zumindest oberflächlich betrachtet, ist das nichts Ungewöhnliches. Der US-Psychologe Abraham Maslow hat dieses Konzept in seiner „Bedürfnishierarchie“ zusammengefasst: Neben physischen Grundbedürfnissen wie Essen und Schlafen hat jeder von uns auch psychische Bedürfnisse, die gestillt werden wollen. Dazu gehört der Wunsch nach Anerkennung (Geltung). Der gefährliche Punkt: Wenn das Bedürfnis, von anderen gemocht und anerkannt zu werden überhandnimmt, hindert es Sie – besonders als Führungskraft – daran, authentisch und effektiv zu sein. Wenn Sie diesen Punkt überschreiten, laufen Sie Gefahr, sich von der Meinung anderer abhängig zu machen.
James Quincey, der CEO von Coca-Cola, hat den Ruf, ein zugänglicher und freundlicher Vorgesetzter zu sein, nur um von seinen Mitarbeitern gemocht zu werden. Seine Entscheidungen fielen ihm schwer, und immer wieder wurde er mit erfolgreichen Leadern wie Steve Jobs und Jeff Bezos verglichen, die sich von solchen Erwartungen nicht beeinflussen ließen. Die Sucht nach Bestätigung lässt sich auch biologisch erklären. Der Mediziner und Psychiater Prof. Dr. Joachim Bauer weist darauf hin, dass die Anerkennung unser Belohnungssystem im Gehirn stark aktiviert – und das kann fast süchtig machen. Ob die Vorwürfe gegen Quincey gerechtfertigt sind, bleibt Spekulation. Doch sie verdeutlichen, wie stark das Bedürfnis nach Anerkennung uns in unseren Handlungen beeinflussen kann. Es ist kein Wunder, dass soziale Zugehörigkeit, Bestätigung und Akzeptanz unser Selbstwertgefühl steigern. Das wird problematisch, wenn wir zwanghaft auf die Bestätigung anderer angewiesen sind, statt auf unsere eigenen Überzeugungen zu vertrauen.
Sind Sie unsicher, wo Sie stehen? Es gibt klare Anzeichen, die zeigen, ob Sie zu sehr nach Anerkennung streben:
- Sie vermeiden Konflikte, weil Sie Angst haben, abgelehnt zu werden.
- Sie manipulieren Situationen, um sich ins beste Licht zu rücken; im schlimmsten Fall wird Lügen zur Gewohnheit.
- Sie geben nur positives Feedback, weil Sie negative Reaktionen fürchten.
- Sie sind ständig bemüht, es allen recht zu machen.
- Sie übernehmen keine Verantwortung für Fehler, um Ihr Image zu schützen, und suchen stattdessen nach Ausreden.
- Sie treffen keine harten Entscheidungen, um niemanden zu verletzen.
- Sie unterdrücken Wut und Frustration, um immer freundlich zu wirken – was letztlich dazu führt, dass sich diese Emotionen anstauen.
Das Ergebnis: Ja, es könnte sein, dass Sie als Führungskraft auf diese Weise beliebt sind und viele Sympathiepunkte sammeln. Doch das, was die meisten Leader wirklich brauchen – Respekt – bleibt aus.
Wenn Sie zwanghaft versuchen, zu gefallen, verlieren Sie Ihre Authentizität. Denn meistens wird das dazu führen, dass Sie flunkern, Ihre wahre Meinung nicht teilen und wichtige Entscheidungen vermeiden. Bekanntermaßen respektieren wir Menschen weniger, wenn sie nicht authentisch sind. Wer hingegen Respekt statt Zuneigung anstrebt, wird nachhaltigen Erfolg haben. Denn Sie legen weniger Wert darauf, gemocht zu werden, und konzentrieren sich darauf, die richtigen Entscheidungen zu treffen – selbst wenn das bedeutet, dass Sie weniger beliebt sind.
- Sie scheuen sich nicht vor ehrlichen Konflikten und geben konstruktives Feedback.
- Sie übernehmen Verantwortung für ihre Fehler, auch wenn das unangenehm ist.
- Sie treffen harte Entscheidungen, auch wenn das bedeutet, dass jemand verletzt wird.
- Sie machen keine leeren Versprechungen, nur um den Frieden zu wahren.
- Sie sprechen unangenehme Themen direkt an, statt sie unter den Teppich zu kehren.
Merke: Nur wenn Sie sich selbst respektieren, werden auch andere Sie respektieren – besonders in einer Führungsposition. Wenn Ihnen die Selbstachtung fehlt, wird es schwer, den Respekt Ihrer Umgebung zu gewinnen.
Streben Sie nach höheren Werten und Zielen, anstatt danach, von anderen gemocht zu werden. Das erleichtert nicht nur Ihre unternehmerischen Entscheidungen, sondern fördert auch Ihr persönliches Wachstum. Ein wichtiger Schritt ist, an sich selbst zu arbeiten, statt nach Bestätigung von außen zu suchen. Höhere Werte und Ziele könnten zum Beispiel sein: Authentizität, Fairness gegenüber anderen, Innere Zufriedenheit, Gelassenheit, Ehrlichkeit, Respekt,….
Sie lernen, mit Ablehnung umzugehen – denn nicht jeder wird Sie mögen, und das ist in Ordnung.
Sie haben mehr mentale Kapazitäten für die wichtigen Dinge und treffen Entscheidungen klarer.
Sie werden langfristig zufriedener sein und den Unterschied zwischen echter Zufriedenheit und dem flüchtigen Ego-Kick der Anerkennung erkennen.
Sie werden klarer kommunizieren und Ihre eigenen Bedürfnisse artikulieren, statt es allen recht machen zu wollen.
Sie werden erkennen, dass Sie innere Ressourcen aktivieren können, um sich selbst zu stärken, statt auf die Bestätigung von außen angewiesen zu sein.
Seien Sie authentisch und ehrlich – auch wenn das bedeutet, dass Sie nicht jeder mag. Schätzen Sie sich selbst genug, um nach höheren Werten zu streben, als nach der kurzfristigen Bestätigung von außen? Zuneigung ist oft flüchtig. Sie gibt Ihnen vielleicht einen kurzfristigen „Ego-Kick“, aber wahre Erfüllung kommt von innen. Streben Sie danach, respektiert zu werden, fair und ehrlich zu kommunizieren – das ist ein langfristiges Ziel, das wahre Führungskräfte auszeichnet.
Erstellt am 21. September 2024